
Individuelle Lernzeit
An der Clemens-Brentano-Europaschule Lollar gestalten wir Lernen anders: Schüler:innen der Jahrgänge 5 und 6 sowie der gymnasialen Oberstufe lernen selbstgesteuert, in ihrem eigenen Tempo und auf ihrem eigenen Niveau. Der Schultag ist bewusst anders rhythmisiert. Verpflichtende Lernzeiten in den Hauptfächern Deutsch, Mathematik und Englisch wechseln sich ab mit unbewerteten Lernbereichen und gezielten Förder- und Forderangeboten. So entsteht ein Schultag, der Struktur gibt und gleichzeitig Raum lässt. In den Hauptfächern (Mathematik, Deutsch und Englisch) arbeiten die Lernenden 14 Stunden pro Woche eigenständig in fachspezifischen Lernbüros. Alle Materialien stehen auf mindestens drei Niveaustufen bereit, sodass jede:r dort einsteigen kann, wo es sinnvoll ist. Kurze Inputphasen von etwa 15 Minuten geben den nötigen fachlichen Impuls; danach bestimmen die Lernenden selbst, womit sie sich beschäftigen und welche Ziele sie sich setzen. Ergänzt wird dieses Format durch Projektunterricht, unbewertete Förderangebote wie „Lesen", „Talk" oder „Mathe hoch zwei" sowie regelmäßige Einzelcoachings, in denen Lernende ihren Lernweg reflektieren und anpassen. Digitale Endgeräte und die Lernplattform Scobees unterstützen dabei Organisation, Materialzugang und Feedback. Hausaufgaben gibt es nicht. Das Lernen findet vollständig in der Schule statt.
Seit der Einführung der individuellen Lernzeiten haben wir messbare Veränderungen erlebt: Lernende erreichen nachweislich höhere Niveaustufen und berichten von deutlich weniger Leistungsdruck. Flexible Klausurkorridore von zwei Wochen reduzieren Stress und stärken die Eigenverantwortung. Auf dem Weg bis zum Lerncheck berichten die Schüler:innen von erheblich weniger Leistungsdruck, da Hausaufgaben wegfallen und sie sich auf die Aufgaben innerhalb der Schule konzentrieren können. Die Reduzierung dieser beiden Stressfaktoren und der stärkere Fokus auf den individuellen Lernweg fördern Motivation und Selbstbewusstsein der Lernenden. Das Coaching unterstützt sie dabei, eigene Ziele zu setzen, Erfolge einzuordnen und Herausforderungen anzugehen. Nach drei Jahren konnten wir das Format auf drei Klassen pro Schuljahr ausweiten; inzwischen wird es sukzessive auf die Jahrgänge 7 bis 10 übertragen. Parallel dazu hat das Projektlernen zur Weiterentwicklung fächerverbindender Unterrichtsformate in der gesamten Sekundarstufe I beigetragen. Langfristig legen wir so einen Grundstein für lebenslanges Lernen, digitale Kompetenz und Bildungsgerechtigkeit in unserem Einzugsgebiet.
- Seit Schuljahr 2024/25 haben wir in den Jahrgängen 5 und 6 Profilklassen im gebundenen Ganztag gebildet und in der gymnasialen Oberstufe ein tägliches „Lernband" eingeführt
- Steuergruppen haben ein passgenaues Schulentwicklungskonzept erarbeitet, das auf Hospitationen an Schulen im In- und Ausland sowie auf pädagogischen Tagen aufbaut
- Kolleg:innen werden schuljahresbegleitend zu Lerncoaches ausgebildet, unterstützt durch die Serviceagentur Ganztag
- Wir haben ein hessisches Netzwerk für Coaching-Schulen initiiert
- Die Schule hat sich mit iPads ausgestattet und arbeitet mit der Lernplattform Scobees für Materialbereitstellung, Lernzielsteuerung und Feedback
- Lernbüros ersetzen klassische Klassenräume; ein Stillarbeitsraum und ein Kooperationsraum ergänzen das Raumangebot
- Mit einfachen Mitteln starten; aufwendige Ausstattung ist keine Voraussetzung
- Kolleg:innen früh einbinden und gemeinsame Werte klären
- Hospitationen an anderen Schulen nutzen, um konkrete Vorbilder zu finden
- Fortbildungen anbieten, um Lehrende aktiv auf Veränderungen vorzubereiten
- Regelmäßig evaluieren; Feedback von Lernenden, Eltern und Lehrkräften sichtbar machen
- Kommunikation im Kollegium als Daueraufgabe verstehen, nicht als einmaliges Ereignis
Die Schulgemeinschaft gestaltet das Projekt aktiv mit. Lernende, Eltern und Lehrkräfte nehmen regelmäßig an Evaluationen teil, die uns ein ehrliches Stimmungsbild liefern. Im unbewerteten Unterricht bringen Eltern ihr Fachwissen als externe Expert:innen ein. Im Projektlernen arbeiten wir mit regionalen Partnern zusammen, die fachliches Wissen in den Unterricht tragen und dessen Qualität spürbar erhöhen. Schulleitung, Schulverwaltung und Schulträger haben den Prozess von Beginn an begleitet und unterstützt.
- Die größten Herausforderungen gingen von der neuen, ungewohnten Lern- und Lehratmosphäre aus.
- Akzeptanz für neue Lernformate musste erst aufgebaut werden
- Wir haben Kolleg:innen von Anfang an aktiv in die Schulentwicklung eingebunden und Eltern durch Informationsabende und transparente Kommunikation gewonnen
- Kontinuierliches Feedback und eine begleitende Evaluation haben Ergebnisse sichtbar gemacht und Vertrauen geschaffen
- Budget: Ganztag Profil III, Coaching-Netzwerk, Serviceagentur Ganztag
- Personal: Lehrkräfte, multiprofessionelles Team, Schulleitung, externe Expert:innen, Kooperationspartner:innen, studentische Hilfskräfte
- Räume: Lernbüros (umfunktionierte Klassenräume), Coachingraum, Stillarbeitsraum, Flur als Lernraum
- Tools: IServ, Lernplattform Scobees, Eduplaces, Coachingmaterialien, digitale Endgeräte (iPads)
- Stadt Lollar
- Stadt Staufenberg
- Universität Gießen
- Technische Hochschule Mittelhessen
- Serviceagentur Ganztag Hessen
- Regionale Partner (außerschulische Lernorte, Fachexpert:innen im Projektunterricht)
Projekt umsetzen?
Jetzt mein eigenes Projekt mit dem KI Assistenten planen.